Gruppieren gleicher Instrumente in NotePerformer – Mischen und Abmischen in Dorico

Dies ist die Fassung des Artikels im englischen Forum mit der sich entwickelnden Diskussion.

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Als Lösung für einen realistischen Sound beim Komponieren ist NotePerformer unschlagbar. Für digitale Demos mit einer ausgefeilten Interpretation kann aber ein verfeinertes Klang­bild wünschenswert sein.
Theoretisch kann man alle in einem Dorico-Projekt vorkommenden Einzelinstrumente bzw. -spieler getrennt als .wav exportieren und nach Import in ein Fremdprogramm nachgelagert weiter behandeln. In der Praxis ist dies ein eher aufwendiges Verfahren. Wenn Tempo, Taktanzahl oder selbst nur Fermaten-Längen geändert werden, müssen alle Instrumenten­spuren, damit sie synchron bleiben, erneut expor­tiert, ins nachfolgende Programm importiert und vielleicht sogar neu bearbeitet werden.

Der Artikel zeigt eine Alternative für das durchgehende Arbeiten in Dorico mit NotePerformer auf.

Über die Arbeitsweise von NotePerformer

NotePerformer erscheint in Form von Instanzen, die bis zu 16 Instrumentenspuren (Channels, Slots) enthalten können. Regelmäßig treten dort Instrumente völlig unterschiedlicher Familien nebeneinander auf. So erscheinen von vorne­herein oft alle Holzbläser in derselben Instanz, und dazu z.B. noch zwei Trompeten. Weisen aber große Besetzungen 6 Hornstimmen auf, stehen die beiden, die über das übliche Hornquartett hinausgehen, vielleicht in einer ganz anderen Instanz. NotePerformer gibt aber immer alle Instrumente einer kompletten Instanz gesammelt in einem Signal zurück, und zwar an den Mixer-Kanal in Dorico, dessen Instrument auf Platz 1 in der NP-Instanz steht. Dieses Verhalten ist es, das ohne weitere Maßnahmen die gezielte Klangveränderung eines einzelnen Instruments direkt in Dorico verhindert. Dauerhaft unwirksam bleiben auch Bühnen- und Raum­vor­lagen, man muss generell in NotePerformer positionieren. Außerdem regelt NP offenbar die Dynamik­kurve selbst, die Dorico-Einstellung zeigt in Tests keinerlei Einfluss.

Bekannte Maßnahmen

Im Artikel “Individuelle Mixer-Kanäle für NotePerformer” von David Tee im englischen Dorico Forum wird beschrieben, wie jedem einzelnen Instrument in NP ein eigener Mixer-Kanal zuge­ordnet werden kann, und folglich auch in Dorico. Sogar eine fertige Wiedergabe­vorlage (Playback Template) steht dafür zum Download bereit.

Weitergehende Überlegungen

In einem Blasorchester kann es z.B. je drei Erste, Zweite und Dritte Klarinetten in B geben, die sich in den seltensten Fällen in der Klangfarbe unterscheiden müssen. Wäre es nicht am einfach­sten, gleich alle neun Stimmen auf einmal im Klang zu bearbeiten? Das ließe sich sogar noch auf zusätzliche Solo­stimmen ausweiten, da es für alle Blasinstrumente in Dorico ohnehin nur Solo-Spieler gibt. Kommen Streicher vor, würde es Arbeit sparen, alle Violinen der Dorico-Ensemble­spieler zu kombinieren, und zwar egal, ob Erste oder Zweite Violine.

Die gesammelte Ausgabe aller Instrumente eines NP-Kanals in einem Signal an Dorico lässt sich genau dafür ausnutzen. Indem man NotePerformer dazu bringt, identische Instrumente verschiedener Partitur-Stimmen in dieselbe Instanz zu laden, landen alle in demselben Mixer-Kanal und erhalten die gleiche Behandlung. Egal, welche Änderungen im Stück noch vorge­nommen werden, Audio muss nur noch anschließend einmal für das Gesamt­projekt bzw. jede Partie exportiert werden.

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Reihenfolge der Arbeitsschritte

Zum Erstellen der Endpunktdefinitionen für die NP-Instanzen und Aufname der Endpunkt­definitionen (NP-Kanäle) in eine Wiedergabevorlage verfahren Sie nach der Methode von David Tee, erstellen aber in jeder Endpunktdefinition gleich so viele identische Instru­mente wie es Stimmen in einem Projekt geben könnte. Bei mir waren das für ein großes Sinfoni­sches Blasorchester einmal 5+5+5 Klarinetten in B und eine Solo-Klarinette in gleicher Stimmung in 16 Kanälen von 16 möglichen. Natürlich lässt sich diese Endpunktdefinition auch für ein normales Sinfonieorchester verwenden, in dem es nur zwei Klarinetten gibt (wird später erklärt). Wenn man so vorgeht, bleibt die Zahl der Endpunktdefi­niti­onen in einer Wiedergabevorlage überschaubar, der Ressourceneinsatz unproblematisch und es ist daher normalerweise nicht nötig, Master-Volume oder Master-Reverb auf Null zu stellen.

Beachten Sie aber, dass z.B. eine Klarinette in A (oder in jeder sonstigen Stimmung) etwas ande­res ist als eine Klarinette in B und auf jeden Fall eine gesonderte NP-Instanz benötigt.
Wenn auch Sie in Ihren Projekten lieber eigene Sitzordnungen verwenden (Stichwort „Deutsche Sitzordnung“), stellen Sie in jeder Instanz über „Settings – Center panning“ vorläufig alle Positionen auf mittig ein.
Erstellen Sie bevorzugt eine etwas umfangreichere Wiedergabevorlage mit mehr Instru­menten­typen, dafür aber für mehrere Projekte verwendbar.

Zuweisen einer gespeicherten Wiedergabevorlage

Sofort nach dem Erstellen eines neuen leeren Projekts ist der richtige Zeitpunkt, Ihre „Ur-Vorlage“ zu kopieren und sie für die bestmögliche Performance auf die Instrumente zu reduzieren, die im Projekt vorkommen sollen:
Wiedergabe – Wiedergabevorlage… – Anwenden: In der Maske links unter der Liste befinden sich quadratische Tasten zum Kopieren und Bearbeiten (in weiterer Maske). Organisieren und benennen Sie Ihre kopierten Wiedergabevorlagen aussagekräftig.

Es lassen sich auch völlig neue Instrumente aufnehmen (Verfahren oben) und in der Vorlage ver­schieben, achten Sie später beim Einrichten der Instrumente in Dorico lediglich auf die Reihenfolge in der Vorlage.

Dem Projekt wird nun die angepasste Wiedergabevorlage zugewiesen: erneut unter Wieder­gabe – Wiedergabevor­lagen… markieren Sie die richtiges Vorlage und wenden sie an.

Laden der Instrumente

Richten Sie alle Spieler und Instrumente im Projekt ein, und zwar am besten in der Reihen­folge, wie sie in der Wiedergabevorlage vorkommen. Spätestens, nachdem sie eine geschrie­bene Note im neuen Instrument abgespielt haben, ist die betreffende NP-Instanz aktiv, von Kanal 1 an finden sich die erstellten Instrumente.
Bei jeder NP-Instanz löschen Sie am Ende, bevor sie zum nächsten Instrumententyp wech­seln, überzählige Slots und stellen deren Anzahl entsprechend ein (vgl. das o.a. Klarinetten-Beispiel). Diese Maßnahme begünstigt, dass NP für jeden nächsten Instru­mententyp (bspw. Violinen → Violen) auch die jeweils passende Instanz heranzieht. Wenn das manchmal trotzdem nicht klappt, stimmt in der Regel der Instrumententyp nicht mit dem in der Defini­tion überein. Einen Weg, bisher unbenutzte Instanzen der Vorlage manuell zu aktivieren, gibt es leider nicht.

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TIP:
Erstellen Sie für Ensemblestimmen in größeren Orchestern (Streicher) jeweils min­destens zwei Spieler („Spieler duplizieren“). Diesen „verpassen“ Sie in der NP-Instanz eine benach­barte unterschied­liche Links-Rechts-Position und erreichen damit eine viel ausgeprägtere Räumlichkeit im Höreindruck.
Nachdem alle Instrumente eingerichtet sind, deaktivieren Sie die duplizierten Spieler für das Projekt. Damit erscheinen erst einmal keine leeren Zeilen in der Partitur, die beim Schreiben stören. Erst nach Fertigstellung der ganzen Partitur ist es sinnvoll, die Spieler zu reaktivieren und den gesamten Inhalt der originalen Notenzeile in die Duplikate zu kopieren. Die Anzeige der zusätzlichen Zeilen im Seitenlayout lässt sich per „Zeilensicht­barkeit“ unter­drücken. Die Stimmen-Duplikate benötigen auch kein Einzelstimmen-Layout.
Sollen 2 Gleich-Instrumente genauso laut sein wie sonst eines, muss die Lautstärke eines jeden um 3 dB reduziert werden. Da es verschiedene Instrumenten­gruppen geben kann (z.B. Vl. 1 und Vl. 2 in derselben Instanz) ist das ist aber nur in NP sinnvoll und entspricht dort bei jedem Kanal einem Wert von 90 bis 91, bei 3 Gleich-Instrumenten sind es in NP ca. 86.

Einstellungen und Sitzplan

In den Kanälen einer NP-Instanz, also für die Einzelinstrumente, kann eingestellt werden:

  • Lautstärken zueinander (vgl. Tip zuvor)
  • Rechts- Links-Position (Panning)
  • Anordnung in der Raumtiefe (Reverb)

Dorico Bühnen- und Raumvorlagen sind nicht anwendbar. Belassen Sie die Positionen im Dorico-Mixer auf „C“ und verwenden Sie Panning und Reverb im NP-Kanal. In den Signal führenden Kanälen des Dorico-Mixers (jeweils erstes Instrument jeder NP-Instanz) können neben dem Austarieren der Lautstärken untereinander jeweils auch mehrere Plug-In-Effekte geladen und klangwirksam werden, bspw. Equilizer und Audiokom­pressor. Veränderungen an den Mixer-Einstellungen wirken sich natürlich immer auf das ganze Stück aus. Das Feintuning einzelner Stellen im Stück muss wie gehabt über die Lautstärke- oder die Anschlagsintensität der betreffenden Instrumente im Modus „Wiedergabe“ erfolgen.
Mixer-Kanäle, die kein Signal führen, sind „tot“. Man kann Sie zur besseren Unterscheidung auf Lautstärke 0 stellen.
Vor der Ausgabe kann das Gesamtsignal noch im Master-Kanal abgemischt werden.

Weitere Projekte erstellen.

Idealerweise gestalten Sie Ihr(e) Wiedergabevorlage(n) so, dass Sie sie kopieren und durch Herauslöschen von Endpunktdefinitionen für eine ganze Anzahl von neuen Projekten mit Gemeinsamkeiten in der Besetzung verwenden können.

Sollten Sie ein Projekt mit passender Besetzung in der beschriebenen Weise schon früher erstellt haben, ist es womöglich eine gute Idee, einfach eine Kopie davon zu verwenden. In der Partitur brauchen Sie dann nur nach Markierung mit Strg+A alle Noten- und sonstigen Einträge zu löschen und das Projekt/ die Partie auf wenige Takte zu verkürzen. Damit klingen schon alle Instrumente wie im Ursprungsprojekt, und sie werden auch noch positioniert sein, weil sie selbst und ihre Klangeinstellungen vom Löschen nicht betroffen sind. Sie können das entleerte Projekt auch gleich als Vorlage aufheben und nur eine Kopie zum Schreiben Ihrer neuen Komposition verwenden.

Werden einige der Instrumente nicht benötigt, löschen Sie sie einfach ihre Spieler aus dem Projekt und beseitigen ggf. überzählige NP-Slots (ab NP V5).

Bei älteren Projekten ist leider nicht zu erwarten, dass das Zuweisen der neuen Wiedergabe­vorlage immer bei allen Instrumenten zum gewünschten Ergebnis führt. Probieren Sie es aber ruhig an einer Kopie aus, sie können auch Glück haben. Landen Instrumente partout nicht in der korrekten NP-Instanz, und ist das Layout schon vollendet, kann vielleicht nur ein neues leeres Projekt mit denselben Instru­menten als „Klang­datei“ helfen. Dann werden alle Stimmen und die Tempospur dort hinein kopiert. Man kommt aber leider bei künftigen Änderungen um ein doppeltes Pflegen des Notentextes nicht mehr herum.

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