Welcher Compressor für welchr Anwendung

Guten Tag zusammen.
Ich bin erst seit ein paar Wochen mit Cubase 8.5 aktiv, deshalb mal eine Frage an die Experten.
Welchen Kompressor benutzt Ihr für welche Zwecke? Beispielsweise den Tube Compressor besser in der Busspur oder den Vintage Compressor besser für Gesang usw. usf.
Man hört und liest oder sieht auf Youtube immer unterschiedliche Sachen. Oft sind ja Waves oder UAD Plugins das Nonplusultra. Kann man denn mit des Cubase eigenen Plugins keine vernünftigen Ergebnisse erzielen?
Vielen Dank für Eure Antworten,
Roland.

Ich würde Dir vorschlagen, öfter mal selbst einen direkten Vergleich zu machen (z.B. per Sends auf verschiedene Gruppenspuren), da sich das mMn überhaupt nicht pauschal sagen lässt und vor allem auch Geschmackssache ist. Wenn du keinen Unterschied hörst, wird es für dich ja auch egal sein, welchen du nimmst.

Mit Cubase Plugins kann man definitiv vernünftige Ergebnisse erzielen, lass dir da nix einreden. Nach oben ist natürlich alles offen. Du könntest dir z.B. mal ein paar Demos von anderen Herstellern holen und vergleichen. Bei solchen Fragen kommt es mMn immer in erster Linie auf die eigenen Ohren an.

Also jeder Kompressor hat ja so seinen “eigenen” Charakter, auf einem transientenreichen Signal, sagen wir mal Percussions, da würde ich keinen LA2 (bekannt für sein smoothes “langsames” Regelverhalten) nutzen, der macht sich gut auf einem Bass oder auf Vocals. Hier würde ich eher einen LA3 nutzen.

Auf einer Stimme die schon sehr “spitz” klingt bzw höhenlastig, würde ich keinen 1176 RevA benutzen(erzeugt viele Obertöne)…
Habe ich aber ein Signal bei dem ich feststelle, ok das Signal könnte noch etwas harmonische Obertöne gebrauchen, wähle ich den 1176revA oder den Fairchild670…

Also wichtig ist seine Kompressoren zu testen und kennenzulernen, um später auch entscheiden zu können wo will ich mit meinerm Sound hin und welcher Kompressor hilft mir dort hin zu kommen.

Oftmals habe ich auch eine Kombination aus verschiedenen Kompressoren im Kanal und sie “teilen” sich die Arbeit.
Teilweise macht der LA2 wenige dB GainReduction und der 1176 kann auch schonmal um die 10db GR arbeiten. Bei Rap oder Schlager komprimiere ich ganz anders als bei einer Ballade, einer Jazz oder einer Soul Nummer.

Studer A800 -->Fab Filter Q2 --> Oxford Supressor --> Pultec EQ --> LA2 (Kompressor) --> Neve 88rs EQ --> 1176 RevA (Kompressor)

In dem Beispiel macht der la2 nicht viel Gainreduction vielleicht 3dB aber der 1176 greift hart und fährt knapp 10dB GR… so in der art sieht eine meiner Insert-Voxchains aus.

Zum Thema
Standardplugins / UAD / Waves

Also ich bin der Meinung, mit den Standardplugins kannst du schon eine Menge anstellen. Am Anfang reichen die vollkommen aus.

Z.B. bei Filmton Sachen nutze ich sehr viele Cubase interne Effekte (Inserts/Channelstrip/EQ) und weiche selten auf UAD plugins aus. Diese nutze ich hauptsächlich bei Arbeiten an musikalischen Material.

Ich benutze nur Presswerk von U-He. Der kann überall eingesetzt werden und simuliert verschiedene Charakter. Kann als Kompressor, Limiter und Maximizer eingesetzt werden. Beim Mastering kommt dann zusätzlich noch der Multiband von Cubase zum Einsatz. Das reicht vollkommen.

Na klar! z.B.: mit dem eigenen Multibandkompressor. Bei dem sind alle wichtigen Parameter zugänglich und er hat Sidechain (SC)
Entscheidend, gerade im nichtkommerziellen Bereich, ist aber mehr die Frage des Umgangs damit. Welche Frequenzbereiche werden komprimiert und wieviel Kompression verträgt mein Audio-Material? Das hängt sehr vom Genre und “tausend” anderen Dingen ab… Meistens ist weniger mehr. Zuviel Kompression zerstört die Dynamik. Hilfe geben können auf YouTube wirklich teilweise gut gemachte Videos.

Leider kein Geheimtip oder so etwas. Arbeit. Testen. Hören mit Pausen. Gefühl entwickeln

Die Cubase eigenen Plugin reichen zu Beginn völlig aus, nicht nur beim Kompressor. Es ist sogar von Vorteil zum Lernen finde ich wenn man zuerst mal längere Zeit “nur” mit Steinberg Produkten arbeitet. Erst wenn man darin Übung hat sollte man über den Tellerrand greifen.

Wie bereits von Vorrednern erwähnt muss man die Dynamik beeinflussende Mittel wie den Kompressor auch im Zusammenhang mit weiteren Hilfsmitteln wie dem Equalizer bis hin zum Transienten -Designer erleben und die Zusammenarbeit solcher Werkzeuge ausloten.

Ausgabe Formate und Raum Informationen wie Hall
Ebenso von Bedeutung wie der Musikstil oder die verwendeten Instrumente ist das Ausgabeprodukt selbst, eine Stereo-Produktion und eine Ausgabe mit Mehrkanal wie 5.1 “Surround” erfordert bei mir meistens auch eine andere Einstellung bei dem oder den Kompressoren. Es spielt dann auch eine Rolle wie und mit was die Musik voraussichtlich später angehört wird.

Dass man beim Pegel und der Gestaltung an der Dynamik auch noch an das Ausgabeformat/Abhöre denken sollte ist zu Beginn eigener Produktionen nicht immer bekannt, aber aus meiner Sicht bereits wichtiger als ob ich nun einen Steinberg eigenen Kompressor verwenden sollte oder etwas Anderes. Auch das Ändern der räumlichen Breite eines Stereo Signals kann bei mir die Art und Stärke der Kompression mitbestimmen.


Youtube Videos

Generell gilt, natürlich gibt es auf Youtube eine Menge von Informationen, aber vielfach ist die Werbeindustrie dahinter und es ist nicht immer sehr Neutral.
Ich habe dann allerdings die Ansicht gewonnen (im Bereich der Musik -Software) das gute Werbevideos meistens auch gute Produkte präsentieren und weniger gut gemachte Präsentationen auch eher weniger gut zu empfehlende Produkte beinhalten. Das ist wohl so weil in diesem Fall bei der Musikindustrie die vorgestellten Produkte gleich auch die Qualität des gezeigten Videos mitbestimmen.