Hallo zusammen,
ich wollte hier kurz einen extrem praktischen Routing-Workflow teilen, den ich nach langem Optimieren für mein Hardware-Setup (u. a. Roland JX-3P) erarbeitet habe. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, der externe Synthesizer in Echtzeit als Audio aufnehmen will, ohne ständig das Routing umstellen zu müssen oder Probleme mit Insert-Effekten zu bekommen.
Hier ist das Setup, wie es bei mir im Studio absolut stabil und knackfrei läuft:
1. Wichtiger Latenz-Grundsatz vorab
Wenn ihr in Cubase Latenz-Einstellungen oder die Puffer-Grösse (Buffer Size) für ein externes Instrument anpasst, müsst ihr Cubase zwingend neu starten. Nur so werden die Änderungen vom System und den ASIO-Treibern korrekt übernommen, damit das Timing fehlerfrei synchronisiert wird.
2. Der Routing-Trick (Trocken aufnehmen, mit Effekten abhören)
Das Ziel: Das Live-Audiosignal des externen Synths direkt auf einer neuen Audiospur aufnehmen, dabei vorhandene Insert-Effekte (wie Hall/Delay) der primären Instrumenten-Gruppe komplett umgehen, aber beim Einspielen trotzdem den vollen Sound auf den Monitoren haben.
Schritt-für-Schritt-Routing:
-
Signal empfangen & Haupt-Routing: Das analoge Signal des Instruments kommt auf einer normalen Spur (Kanal 1) an und ist fest auf den primären Gruppenkanal (Gruppe A) geroutet. Auf dieser Gruppe A liegen die Insert-Effekte für den Mix-Sound.
-
Die Brücke per Post-Send: Jetzt richtet ihr direkt auf der ursprünglichen Empfangsspur (Kanal 1) einen Post-Fader Send ein. Dieser Send schickt das Signal an einen zweiten, zusätzlichen Gruppenkanal (Gruppe B / Aufnahmegruppe).
-
Der Aufnahmekanal: Erstellt eine neue Audiospur (oder einen Instrumentenkanal), auf der die eigentliche Aufnahme landen soll. Wählt als Eingang (Input) die zusätzliche Gruppe B.
3. Der Workflow-Vorteil beim Einspielen & Recorden
-
Flexibles Abhören: Das Signal wird direkt über diesen neuen Aufnahmekanal abgehört. Ob ihr das Signal beim Einspielen hört, steuert ihr ganz flexibel über die normale Monitor-Taste (Lautsprecher-Symbol) auf der Spur.
-
Verhalten der Insert-Effekte: Die Effekte in der primären Gruppenspur (Gruppe A) werden für die Aufnahme komplett umgangen. Ihr hört sie beim Einspielen voll, nehmt aber dank des Post-Sends ein absolut trockenes Signal auf. (Hinweis: Falls gewünscht, funktioniert das Prinzip genauso mit Insert-Effekten direkt in der Aufnahmegruppe B, falls man Effekte direkt mit einrechnen will).
-
Nach der Aufnahme: Sobald die Aufnahme im Kasten ist und ihr den Monitor-Taster ausschaltet, müsst ihr absolut nichts umrouten. Cubase spielt die fertige, trockene Audiodatei ab, und das Signal läuft sofort und automatisch über das Haupt-Routing durch die Effekte von Gruppe A in den Master-Bus.
Der Workflow läuft bei mir komplett im Hintergrund und spart beim Recorden massenhaft Zeit.
Mich würde interessieren: Wie löst ihr das bei euch im Studio? Nutzt ihr ähnliche Routing-Brücken oder geht ihr klassisch über den externen Instrumenten-Manager?
Viele Grüsse!
Ron